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Falkenkrankenhaus in AbuDhabi


Nicolas Cage 🧐 - ich finde eine gewisse Ähnlichkeit lĂ€sst sich nicht leugnen

Hi, ich habe euch wieder warten lassen. Aber ich habe auch Urlaub 😉.


Aktuell sitzen wir am Flughafen in Doha und warten darauf, in die Maschine einsteigen zu dĂŒrfen.

So nutze ich die Zeit und schreibe mal ein wenig.


Der Tag ĂŒber den ich jetzt schreibe ist Mittwoch, der 15.02.23 in AbuDhabi. Unsere letzte geplante Tour.

Um 9 Uhr startet unser Ausflug zur Falkenklinik. Sie wird schon seit mehr als 20 Jahren von einer deutschen Ärztin, Margit MĂŒller, geleitet, die auch die GeschĂ€ftsfĂŒhrung inne hat. WĂ€hrend ihrer langjĂ€hrigen TĂ€tigkeit ist es ihr gelungen, zwei schwere Erkrankungen bei Falken zu erforschen und auch die geeignete, heilende Therapie dazu herzuleiten und einzufĂŒhren. Das hat ihr, neben ihrer hohen fachlichen Kompetenz am Operationstisch, die Anerkennung des Emirs zuteil werden lassen; darĂŒber hinaus erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen. In einer „Hall of Fame“ sind diese sehr eindrucksvoll ausgestellt. Sie hat einer Menge bekannter Persönlichkeiten die Hand geschĂŒttelt.


Aber noch sind wir ja gar da â˜đŸŒ.


Dieser Ausflug findet in „kleiner Gruppe“ statt. Das stellt sich im Bus auch so dar, unsere Reiseleiterin ist Gigi (call me „Dschidschi“). Sie ist Ägypterin, lebt in Dubai, ist am Morgen mit dem Auto gekommen, hat Germanistik studiert und spricht demzufolge auch sehr gut deutsch. DarĂŒber hinaus ist sie frei schaffend fĂŒr verschiedene Cruiseliner tĂ€tig. Sie hat eine Tochter, ist geschieden und alleinerziehend. Aber die Tochter ist nun 26 Jahre alt, heiratet im August in Kairo und Mama muss nun bald hin und die Aussteuer kaufen.


Falls ihr euch nun wundert, woher ich das alles weiß — nun, Dschidschi ist ausgesprochen redselig. Nachdem wir mehr als 20 Minuten ĂŒber die gesamte Familiengeschichte informiert wurden, auch wissen wir, dass Gigi in einer WG mit 8 Frauen lebte, folgt nun eine intensive Abhandlung ĂŒber die Gnade des Emirs, der Vater, Mutter, Arbeitgeber, Richter, Freund u.v.m. ist. Die soziale Situation der Einheimischen und Gastarbeiter wird ausfĂŒhrlich geschildert — ich hindere meinen Mann daran, ĂŒber Dschidschi herzufallen. 


Die im Programm angekĂŒndigte Fahrtdauer von 30 Minuten ist bereits weit ĂŒberschritten. Herbert sitzt mit geschlossenen Augen neben mir und ĂŒbt sich in Selbstbeherrschung. Aber er hat Puls đŸ„. Besorgt fragt Gigi ihn, ob es ihm nicht gut gehe und versorgt ihn mit Wasser. 

Wir können dann recht sachlich klĂ€ren, dass die Fahrt sehr lange dauert, die Route unspektakulĂ€r ist und erfahren, dass sie das wohl so machen sollte
.


Naja, wir kommen an der Klinik an und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Eintreffend am Empfang werden wir mit vielen anderen Menschen in einen Raum gepfercht und hören, dass wir 40 Leute werden sollen. So viel zu „kleiner Gruppe“.


Da hat Gigi aber die Rechnung ohne Herrn Visser gemacht‌ Sehr schnell und eindringlich ist geklĂ€rt, dass wir das so nicht gebucht haben. Unsere Mitreisenden sind dankbar, dass Herbert sein Schwert dabei hat.

Und plötzlich löst sich alles in Wohlgefallen auf, wir haben unsere kleine Gruppe, einen tollen Guide fĂŒr die Klinik und los gehts.

Nach umfangreichen anfĂ€nglichen ErlĂ€uterungen, bisschen anstrengend - weil alles in arabisch-englisch von statten geht, erreichen wir das erste GebĂ€ude, indem etwa 25 Falken wohnen. Wir dĂŒrfen diesen Raum tatsĂ€chlich betreten und stehen sehr ehrfĂŒrchtig in einem beachtlich großen VogelkĂ€fig. Einige Kameraden drehen auch eine Runde.

Eine solche Gruppengemeinschaft ist recht ungewöhnlich, da sich Falken gegenseitig bekĂ€mpfen, sobald ein fremder Falke in das Revier des anderen gerĂ€t. Hier aber werden sie sorgfĂ€ltig vorbereitet, es ist eine gemischte Gruppe - spĂ€ter Paarung nicht ausgeschlossen đŸ«¶. Die Brautschau mit Werbung kann bis zu 7 Monate dauern. WĂ€hrend dieser gesamten Zeit, fĂŒr die natĂŒrlich der EigentĂŒmer die Hotelkosten trĂ€gt 😉, werden die Falken sorgfĂ€ltig ĂŒberwacht, wĂ€hrend der Mauser ausfallende Federn đŸȘ¶ werden eingesammelt und katalogisiert.

Insbesondere die großen Schwungfedern mĂŒssen sorgfĂ€ltig aufbewahrt werden, falls eine Feder an FlĂŒgel oder Schwanz bei einer Jagd bricht.

Diese wird dann in einem speziell entwickelten Verfahren durch eine zuvor gesammelte Feder teilweise oder ganz ersetzt.


Dann gehen wir weiter in den Kliniktrakt. Schon bald bestaunen wir durch große Scheiben einen OP-Bereich - als sich tatsĂ€chlich diese TĂŒren fĂŒr uns öffnen.

Wir dĂŒrfen eintreten.

ZunĂ€chst stehen wir im Wartezimmer fĂŒr Falken. Mit Kunstrasen bespannte Balken, je Wartebereich 6 an der Zahl, sind mit insgesamt ca. 20 Vögeln besetzt. Alle habe ihr HĂ€ubchen auf und sind denkbar friedlich.

Hinter denWartebereichen befinden sich zwei OP-SÀle, auf den OP-Tischen liegt jeweils ein Falke in Narkose. 

Es sind keine großen Operationen geplant, „lediglich“ ManikĂŒre steht auf dem Tagesprogramm.

Die NĂ€gel werden abgeknipst, Ă€hnlich wie bei Hund und Katze, aber dann wir die ganze Kralle sorgfĂ€ltig scharf geschliffen, poliert und zum Schluss der ganze Fuß eingecremt.

Das ist sooo niedlich, wie liebevoll dort mit den Vögeln umgegangen wird.


Wir erfahren, wie ein Fuß geschient wird und wie Federn ersetzt werden. So einfach und dabei so genial. Und was gehört dazu? Deutsches PrĂ€zisionsmaterial: „Im Falle eines Falles, klebt Uhu wirklich alles!“

So auch Falkenfedern, ganz oder teilweise.


Dann wird die Narkosemaske abgenommen und wÀhrend das Tier ganz langsam zu sich kommt, zeigt uns der Arzt ganz genau die Augen, den Schnabel und die Ohren.


Anschließend darf jeder der mag einen Falken auf der Faust sitzen haben. Und zu guter Letzt wird eine Wachtel serviert, und aus dem eben noch so zurĂŒckhaltenden Vogel wird ein Raubtier, der die kleine nackte Wachtel mit Stumpf und Stiel verspeist. 2 Wachteln sind die Tagesration!

Mahlzeit 😋 đŸœïž!


Versöhnt mit dem Erlebten kehren wir zum Bus zurĂŒck. 


In den vergangenen 2 Stunden hat sich das Wetter merklich verĂ€ndert. Angekommen bei strahlendem Sonnenschein ist die Luft jetzt verhangen, es ist merklich aufgebrist. Es sieht mĂ€chtig nach Sandsturm aus. Auf der RĂŒckfahrt ist die Sicht deutlich eingeschrĂ€nkt, aber wir kommen sicher wieder zurĂŒck aufs Schiff 🚱.


Beeindruckender Ausflug - auch wenn der Start ein wenig holprig war.


Man liest sich đŸ‘‹đŸŒ

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