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Luftrettung


Eine aufregende Nacht und ein spannender Tag liegen hinter uns, der Tag noch nicht ganz, aber fast.

 

Vor zwei Tagen teilte der Kapitän mit, dass er den Kurs etwas geändert habe. Möglicherweise sei dem aufmerksamen Reisenden aufgefallen, dass auch die Geschwindigkeit des Schiffes deutlich zugenommen habe. Der Grund sei ein erkrankter Mitreisender (oder Mitreisende oder Crew-Mitglied – das blieb offen) und diese Person müsse ausgeflogen werden.

Das geht allerdings nur, wenn ein Rettungshubschrauber die Entfernung von Land bis zum Schiff und zurück leisten kann. Dafür müssen wir jetzt einen Umweg Richtung Azoren in Kauf nehmen. Das ist grundsätzlich kein Problem, auch werden wir Madeira zur geplanten Zeit erreichen, aber das Wetter ist Richtung Azoren deutlich rauer. Dazu kommt die erhöhte Geschwindigkeit, was zu weiterer Unruhe beiträgt.

Gestern Abend erhöhte sich zusehends die Windgeschwindigkeit, was zu vermehrter bzw. deutlich vermehrter Schiffsbewegung beitrug.

Alles auszuhalten, der Abend war kurzweilig und führte uns unter anderen noch in die Tag- und Nachtbar. Currywurst von flämischen Kleeschwein und Pommes mussten das (wirklich) kärgliche Abendessen ausgleichen.

Als ich gegen Mitternacht ins Bett ging, dachte ich noch, das wird bestimmt lustig diese Nacht.

Und wie lustig das wurde!

Gegen 2 Uhr beschloss ich, meine Schlafausrichtung zu ändern. Normalerweise liege ich quer zur Fahrtrichtung. Das führte jedoch dazu, dass durch die heftige Schaukelbewegung und meines nicht dicht schließenden Mageneingangs der Mageninhalt immer daraus hervorzuschauen drohte. Mir war nicht schlecht, ich war nur nicht ganz dicht. Also bettete ich mich um und lag nun quer im Bett, so dass ich nur von rechts nach links rollte – viel viel besser.

Wiederum 1 Stunde später, rumpelte und krachte es heftig aus dem Wohnbereich. Ich stand senkrecht und das direkt vor meinem Fernseher, den es auch nicht mehr in seiner Halterung hielt. Im Wohnbereich rollten zwei Tische herum, eine kleine Flasche Rotwein konnte ich gerade noch auffangen, bevor sie zerschellte. Auch hier war der Fernseher an seinem langen Arm ins Wohnzimmer getorkelt, wurde regelmäßig von einem der Tische hin und hergeschoben. Ich sicherte Gläser, Tassen, Teller und Tische, klemmte den Fernseher wieder in seine Klettbandhalterung, aber es donnerte weiter. Im meinem Badezimmerschrank war ebenfalls Partystimmung, aber da konnte nichts kaputt gehen. Die Vorhänge und Gardinen öffneten und schlossen sich mit jeder Schiffsbewegung.

Es war interessant!

 

Als dann das Tageslicht durch die sich ständig öffnenden Vorhänge schien, war die Nacht endlich zu Ende, aber die Schaukelei leider immer noch nicht.

 

Wegen des deutlich zugenommenen Windes erklärte der Kapitän, dass er nun noch näher an die Azoren heranfahren müsse als ursprünglich berechnet, daraufhin gab er noch ein bisschen Gas. Gegen 12 Uhr kam dann auch der Hubschrauber angedonnert und die Luftevakuierung erfolgte sicher und gekonnt.

 

Nun konnte endlich beigedreht werden und aktuell fahren wir wieder mit einer normalen Geschwindigkeit von ca. 15 Knoten Richtung Madeira. Die jetzt eingeschlagene Richtung sowie die gedrosselte Geschwindigkeit haben wieder etwas von Kreuzfahrt und nicht von einer Wettfahrt.

 

Aufgrund der Rettungsaktion sowie der Geschwindigkeit und des starken Seegangs entfiel heute auch die Challenge „zu Fuß zurück nach Europa“. Morgen sollte es jedoch wieder stattfinden können, es fehlen auch nur noch 586 Runden auf der Laufstrecke.

 

Auch wenn nun immer noch der letzte Landausflug auf St. Lucia fehlt, fand ich das von heute zu berichten viel wichtiger.

 

Man liest sich.


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Kommentare: 1
  • #1

    H & (Mittwoch, 22 April 2026 19:00)

    Alles liest sich doch nach einer erfolgreichen Nacht.
    Nur gut das die Reise nun ihren geplanten Verlauf nimmt und das gute Essen an seinem Bestimmungsort bleibt .
    LG�